Lob des Tanzes

Ich lobe den Tanz,

denn er befreit den Menschen von der Schwere der Dinge,

bindet den Vereinzelten zur Gemeinschaft.  

 

Ich lobe den Tanz,

der alles fordert und fördert:

Gesundheit und klaren Geist und eine beschwingte Seele.

Tanz ist Verwandlung,

des Raumes, der Zeit, des Menschen,

der dauernd in Gefahr ist, zu zerfallen,

voll und ganz in Hirn, Wille oder Gefühl zu werden.

 

Der Tanz dagegen fordert den ganzen Menschen,

der in seiner Mitte verankert ist,

der nicht besessen ist von der Begehrlichkeit nach Menschen und Dingen

und von der Dämonie der Verlassenheit im eigenen Ich.

Der Tanz fordert den befreiten, den schwingenden Menschen

im Gleichgewicht aller Kräfte.

Ich lobe den Tanz!  

(Verfasser Unbekannt)

(Das Zitat wird häufig dem Bischof und Kirchenlehrer Aurelius Augustinus (354–430) zugesprochen, taucht aber Cornelius Mayer (n.d.) zufolge in dessen Schriften  nicht auf. „Obgleich schon häufig geschehen, sei nochmals darauf hingewiesen, dass dieser Satz bzw. diese Sätze bei Augustinus, so weit uns dessen Schriften  vorliegen, nicht zu finden sind“ .)   

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Tanztherapie

Tanz war zu allen Zeiten für Menschen ein bedeutsames und elementares Ausdrucksmedium. Tanztherapie hat ihre Wurzeln in uralten  Kulturen.

Für viele Naturvölker umfasste der Tanz das ganze Leben. Es gab kein Ereignis bei dem nicht getanzt wurde.

Er diente zur Kommunikation, zur Selbstdarstellung, als Bewältigungs- und Beschwörungsritual. Und auch schon immer als Heilungs- und  Integrationsprozess.

Wesentliche Elemente der Tanztherapie sind somit: das Sich-Ausdrücken, das nonverbale Mitteilen, die Anregung der Eigenaktivität und damit  das Zurückgewinnen der eigenen Macht über die Ohnmacht und das Erleben und Wahrnehmen des Körpers sowie der Bewegung.

Auch heute greift die Tanztherapie zu diesen Wurzeln zurück, hat sich inzwischen aber auch zu einer differenzierten therapeutischen Methode  entwickelt, welche ebenso die neusten Erkenntnisse der Psychotherapieforschung nutzt.

 

 

Integrative Therapie

Der Name dieser Therapieform und das Verfahren wurde in seiner theoretischen Bedeutung von Hilarion Petzold 1965 geprägt und begründet. Für die Wahl des Namens gibt es historische, theoretische und allgemein pragmatische Gründe. Historisch gesehen, basiert die Integrative Therapie auf wesentlichen Konzepten der klassischen Gestalttherapie (nach Fritz und Lore Perls  sowie Paul Goodman) , des Psychodrama (nach Jakob, Zerka und Florence Moreno) und der Psychoanalyse (insbesondere Sandor Ferenczi,  Michael Balint und Vladimir Iljine).

Die Integrative Therapie erweitert und verbindet diese drei Ansätze durch das übergreifende Konzept der Ko-respondenz. “Dies bedeutet, dass ein Mensch nicht zu verstehen und nicht zu behandeln ist, wenn er nicht als ko-existierendes Wesen verstanden und  behandelt wird. Als Wesen, das immer, auch wenn es allein ist, in Beziehung zu anderen steht und auch auf Beziehung zu anderen  angewiesen ist.

 

In Theorie und Praxis beschäftigt man sich mit der Integration von verdrängter und abgespaltener Gefühls-/Erfahrungsbereiche sowie den  vielfältigen Ursachen misslingender Integration. Die Theorie der Integrativen Therapie ist “unfertig”:  Diese Unfertigkeit beruht zum einen darauf, dass es eine junge Therapieform ist, zum  anderen aber, wird es auch als eine spezielle Art von Theoriebildung als Erkenntnisprozess gesehen. Dieser Prozess rechnet immer mit seiner Vorläufigkeit und würde sich selbst behindern, wenn er als Ziel ein fertiges “Gebäude” setzen würde.

 

Und pragmatisch bedeute Integration, dass die Klienten unter verschiedenen Perspektiven gesehen werden und dementsprechend auch mit  unterschiedlichen Methoden behandelt werden sollten. (z.B. der innere Dynamik, der Lieblichkeit, im sozialem Umfeld , der Lebensgeschichte  usw.)

Integrative Tanztherapie

Hierunter versteht man die Tanztherapie in Verbindung mit der Integrativen Therapie. Hier findet man also die klassischen Ansätze von z.B. Schoop,Chace, Whitehouse und Espenak in der Auseinandersetzung mit der Integrativen  Therapie von Petzold heraus entstehen.

Es war insbesondere Trudi Schoop, die mit ihren Gedanken über die Menschen und den Tanz sowie mit ihrer an die Phänomenologie  angelehnten Vorgehensweise die Integrative Tanztherapie beeinflusste. Ihre Betonung der Bedeutung des Ausdrucks und der  Wiedererarbeitung der menschlichen Ausdrucksfähigkeit durch tänzerische Aufgaben sowie die Betonung der künstlerischen Gestaltung -  sowohl im Tanz wie auch im Leben - sind wichtige Grundgedanken, die in die Integrative Tanztherapie aufgenommen wurden.